Serienbrief
Ein Slow-Newsletter über Serien.

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Liebe Serienbrief-Freunde,

wie Sie sehen, gibt es diesmal eine kleine Verspätung. Das ist natürlich unsere volle Absicht, um noch mehr Vorfreude zu provozieren. Außerdem ist die Aprilausgabe unseres Serienbriefs ein ganz klein wenig kompakter als sonst. Schreiben Sie uns gerne, welche Form, kürzer oder länger, Ihnen besser gefällt, dann versuchen wir, uns etwas danach zu richten. Wer uns übrigens sagen möchte, wie wir arbeiten sollen, hat als zahlendeR BrieffreundIn ganz gute Chancen, gehört zu werden. Unterstützen kann man uns ganz einfach bei Steady. 

GoT it!

Schnauze voll von Game of Thrones? Natürlich, schon seit mehreren Staffeln. Aber das heißt ja nicht, dass man nicht trotzdem wissen will, wie die Serie endet. Nun ist es endlich bald soweit, die letzte Staffel läuft an. Anlässlich des großen Erfolgs der Serie muss das aber nicht bedeuten, dass nach dem Schluss von Game of Thrones auch wirklich Schluss mit Game of Thrones ist. Spin-offs sind in Planung, solange es Interesse und vor allem Geld gibt, wird das Phänomen nicht enden, schreibt Jeremy Egner für die New York Times:

Pop culture trends and market pressures might ultimately work against her, however, and a prequel pilot is already in the works. So as HBO’s biggest ever hit prepares to begin its final season on April 14, a definitional question hangs over its future: Is “Game of Thrones” a series? Or is it a universe?

So wie etwa Star Wars, Harry Potter oder die Marvel-Filme.

Beim Merchandise versucht man jedenfalls schon gleich zu ziehen. Tim Chan hat für Variety gesammelt, dass es Dinge wie den White Walker Johnnie Walker Whisky, Turnschuhe und Schminke mit GoT-Branding gibt. Bis zum Drachen-Feuerzeug kann es nur noch eine Frage der Zeit sein.

 

Wer Cannes?

Von 5. bis 10. April findet an der schicken französischen Côte d'Azur zum zweiten Mal Canneseries statt. Parallel zur Branchenveranstaltung MipTV werden neue internationale Serien dem Publikum präsentiert. In diesem Jahr etwa eine Fernsehversion von Virginie Despentes Bestseller-Trilogie Vernon Subutext. Aus Deutschland läuft zum Beispiel die ZDF-Serie Die neue Zeit über das Bauhaus, passend zum Jubiläumsjahr.

Das Goldene Zeitalter des Fernsehens steht uns bevor, behauptet Benoît Louvet, der Chef des französischen Serienfestivals. Nur wurde dieses Goldene Zeitalter allerdings schon längst von der Branche ausgerufen, jetzt eben noch einmal von ihm. Dass es dabei gar nicht mehr so leicht ist, die Zuschauer an der Stange zu halten, erzählt der Franzose Variety.

Canneseries-Präsidentin Fleur Pellerin möchte ein weiteres Thema ins Zentrum rücken, das bei Festivals im Jahr 2019 nicht mehr fehlen darf: Frauen in der Medien- und Filmbranche. Deshalb soll eine "50/50 X 2020 Charta" unterschrieben und stehen diverse Panels auf dem Programm, sich mit unterschiedlichen Problemen zu beschäftigen: „We can see that we’re in a context that includes Me Too and the various scandals about harassment and inequality,” sagt Pellerin im Gespräch mit Variety.

Zum Thema Geschlechtergerechtigkeit ist auch ein ermutigender Blick in die jüngere Fernsehgeschichte aufschlussreich. Der Guardian hat aufgelistet, welch tolle Frauen das Fernsehen in den letzten Jahren maßgeblich mitgestaltet und revolutioniert haben. Natürlich ist deshalb nich alles rosig. Eleanor Morgan fragt, ebenfalls im Guardian, warum prominente Fernsehmacher wie Louis Theroux Männern, denen Sexualverbrechen vorgeworfen werden, die Gelegenheit geben, sich zu präsentieren.

 

German Angst

Wir hatten das Thema hier schon hin und wieder: Deutsche Serien werden immer besser, aber auch den besten deutschen Serien fehlt noch viel im Vergleich zu den besten US-Serien. Der Berliner Drehbuchautor Stefan Stuckmann ist aus Verzweiflung darüber für den Tagesspiegel nach Hollywood gefahren und hat eine höchst unterhaltsamen wie interessante Reportage über die Frage mitgebracht, warum US-Serien besser sind.

Passend dazu: Die Komikerin Sophie Passmann und Matthias Kalle schauen für den Serienpodcast der Zeit deutsche Serien und erkennen deren Leidenschaft: Hitler.

Und dann kriegen die deutschen Serienmacher es noch nicht einmal hin, das Thema Nazis adäquat darzustellen. Jan Feddersen schreibt für die Taz:

Nur im Fernsehen wird von der Stunde null an ein Dauer-Mea-Culpa formuliert, ausnahmslos. Deutschland – ein insgeheimes Widerstandsnest. Es stimmt irgendwie immer noch, was die aus ihrer Heimat Deutschland geflohene Hannah Arendt nach 1945, ins zertrümmelte Land für eine Recherchereise zurückgekehrt, schrieb: Dass deren ­Bewohner sich in Sentimen­talitäten ergingen, im Leid suhlten, das man ihnen angetan habe.

 

Erzähl vom Krieg

Auch die hier schon berichtete Reality-Wirtschaftsserie “Streaming Krieg” hat ein paar neue Folgen bekommen. Apple will Serien machen, die vor allem eins sind: prominent besetzt. Unter anderem soll Steven Spielberg seine eigene Anthologieserie aus den 80ern neu Auflegen. Bis man sich selbst ab Herbst von den Apple-Serien überzeugen kann, ist das Tam-tam von der angeblich herausragenden Qualität aber nur ein Werbeversprechen. Vom Apple-Serien-Hype berichtet auch die New York Post: Tim Cook habe sie zur Chefsache gemacht. Das kann kaum Gutes verheißen.

Deshalb kümmern wir uns vorerst um ein wichtigeres Thema, das wir schon mehrmals im Serienbrief aufgegriffen haben: Es machen immer mehr unterschiedliche Anbieter exklusive Serien; das Ende des einen Dienstes für alles naht; die Konkurrenz wächst stetig; am Ende wird alles teurer für alle. Oder wie es der Youtuber Cheddar ausdrückt: Streaming wird wieder wie Kabelfernsehen. Für Amerikaner ist das ein vernichtendes Urteil, steht dort Kabel doch für teures, kompliziertes und unkomfortables lineares Fernsehen der alten Welt, das die "Cord-Cutter" eigentlich nie wieder haben wollten. In Deutschland wünschen sich 46 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Studie übrigens weniger als fünf Euro im Monat für einen Streamingdienst zahlen, Werbung im Gegenzug für einen günstigeren Preis würde aber kaum jemand akzeptieren.

Interessantes zu den Fronten im Streamingkrieg ist auch Jürgen Schmieders Inverview mit Netflix-Chef Reed Hastings für die Süddeutsche.

 

Übrigens

Remakes sind hier immer wieder Thema. Viele von ihnen muss man nicht gesehen haben. So wie dieses hier, das zum Glück nur als Trailer existiert. Denn die Idee ist sympathisch, nur länger als dreieinhalb Minuten sehen muss man sie nicht: Eine Neuauflage des Prinz von Bel Air, der Comedy-Serie die Will Smith zum Durchbruch verhalf, aber so wie sich das heute gehört in düster und ernst. Das Video steht auf Youtube. Hoffentlich bringt der Klickerfolg keinen Produzenten, den Fanfilm zur Serie zu machen.

 

Schaubar

In Leaving Neverland klagen Betroffene Michael Jackson des Kindesmissbrauchs an und das interessiert natürlich nicht nur Fans. Die Vorwürfe sind an sich nicht neu, aber nun sehr eindrücklich dargestellt. Wer sich für das Thema interessiert, weiß zum Erscheinen dieses Newsletters wohl schon das wichtigste darüber. Darum zwei kleine Beobachtungen am Rande. Die Simpsons haben nun aus diesem Anlass eine Folge mit Michael Jackson in den Giftschrank verbannt. Verständlich einerseits, aber auch schade andererseits. Denn in der Serie tritt der King of Pop selbst gar nicht als Figur auf, sondern nur als Stimme. Es geht um einen Patienten einer Psychiatrischen Anstalt, der sich für Michael Jackson hält. Wir haben die Folge als sehr herzlich in Erinnerung. Auch Interessant: Pro Sieben hat die HBO-Serie bereits gestern im Free-TV gezeigt, nur rund einen Monat nach Urausstrahlung in den USA. Angeblich sogar mit kritischer Einordnung, Hotline für Missbrauchsopfer und ohne Werbung. Der Sender, der seit Jahren den ganzen lieben Tag lang The Big Bang Theorie in Endlosschleife zeigt, wird doch nicht plötzlich seriös werden und auf das Streaming-Zeitalter reagieren?

In This Giant Beast That Is The Global Economy recherchiert der Komiker und ehemals unter Obama im Weißen Haus angestellt Komiker Kal Penn dem großen Geld hinterher. Sehenswert ist die Serie des Großkapitalisten Amazon deshalb, weil Penn sehr neugierig und eine ungewöhnliche Besetzung für das Thema ist. Die Pilotfolge zeigt beispielsweise, was die Recherchen zu den Panama Papers schon längst herausgefunden haben, aber in lustig.

Ein kleiner Blick nach Brexitland: Nach 15 Jahren Abwesenheit kehrt die legendäre Kunstfigur Alan Partidge endlich zurück zu BBC. Klar, war er in der Zwischenzeit viel beschäftigt, bei Filmen mit zu spielen und Bücher zu schreiben etwa. Nun soll er in This Time … with Alan Partidge zunächst auf begrenzte Zeit einen Moderatorenkollegen beim Frühstücksfernsehen vertreten. Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen beleidigt Partridge seine Ko-Moderatorin, unternimmt einen kleinen Ausflug an seine alte Schule – und macht vor allem großartigschlechte Witze. 

Weiter geht es übrigens auch mit der hier schon hoch gelobten Netflix-Hexen-Serie Chilling Adventures of Sabrina.


Der nächste Serienbrief erscheint vermutlich wieder pünktlich am 4. Mai. Unterstützen Sie uns bei Steady und e
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Herzliche Grüße

Benedikt Frank und Julia Weigl

Serienbrief
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