Der Serienbrief
Ein Slow-Newsletter über Serien.

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Liebe Serienbrief-Freunde,

willkommen in den 20ern! Wir lassen das goldene Jahrzehnt der der TV-Serien hinter uns. Mal sehen, was jetzt kommt. Schafft Streaming endlich, wie schon lange versprochen, das lineare Fernsehen ab? (Unser Tipp: Nein)  Wie viele Reboots können wir noch ertragen? Wird es sie überhaupt noch einmal geben, die große Serie, bei der man mitreden können muss, oder zerteilt sich alles in noch mehr, noch kleinere Zielgruppen? Was kommt Neues und was soll das alles? Wir bleiben dran. Aber erst noch einmal der Blick zurück.

Das waren die Nullerjahre

Was haben uns die letzten zehn Jahre also gebracht? Unter anderem legales Streaming als Massenphänomen, beobachtet Carolin Ströbele für die Zeit. Das brachte US-Serien wie The Wire, die eigentlich schon viele Jahre vor 2010 entstanden sind, erstmals auch nach Deutschland. Weiter beobachtet sie, dass die Produktionskosten in die Höhe schossen, auf einmal gab es auch Heldinnen und mehr Diversität, Binge-Watching wurde erfunden, die Serienproduktion ist heute globalisiert. Und nach all dem hat man heute mehr Serien und Filme zur Auswahl, als man jemals sehen könnte. “689 Premieren fiktiver Serien hat die renommierte Medienjournalistin Liz Shannon Miller allein für die USA 2019 gezählt”, berichtet der Spiegel:  “2010 waren es 216.” Das fordert auch Opfer. Guardian-Autor Stuart Heritage nennt die vergangenen zehn Jahre darum “The decade that broke me”:

It’s too much. No wonder people are lying about what they watch. I do. I do it all the time. Not in print, of course, but socially. “Isn’t The Good Fight amazing?” a friend will ask me. What choice do I have? Of course The Good Fight is amazing. I know it’s amazing because people won’t shut up about how amazing it is.

Außerdem gibt er Tipps, wie man dem sozialen Druck entkommt, wenn man etwas nicht gesehen hat (nachplappern, über einzelne Staffeln klugscheißen, mit Serien, die die anderen nicht gesehen haben, kontern).

Einen guten Service für den Versuch, die letzte Seriendekade am Dreikönigstag nachzuholen, gibt es bei Variety. Dort haben Caroline Framke und Daniel D’Addario die 25 besten einzelnen Episoden der Nullerjahre zusammengesucht.

 

The Good, the Bad, and the Difficult

Was hat 2019 gebracht, was vielleicht eine Vorahnung für die kommenden Jahre sein könnte? Eine neue Ära hat begonnen, die von komplizierten Frauen erzählt und die komplizierten Männer hinter sich lässt. Die Don Drapers, Walter Whites, Tony Sopranos, und wie sie noch alle hießen, werden nun von Fleabags, Russian Dolls den skrupellosen Hausfrauen aus Big Little Lies ersetzt. Das analysiert Paul McInnes für den britischen Guardian:

The difficult women of 2019 are no less unpleasant than the men who preceded them, but their stories are different and almost certainly new to the viewer. As much as the Soprano lifestyle became problematic and difficult to represent on screen uncritically, it had also become boring. No one needs to see another middle-aged bloke invent a brutal use for a nail gun; it has – with all due respect – been done. Villanelle from Killing Eve over-tightening a testicle clamp with tragic consequences? That’s more like it.

Vorwärts

Der obligatorische Jahresvorausblick kommt heuer von Carolina Schwarz (Taz): Unorthodox, Followers, Ich und die anderen und Unterleuten sind einige der Titel, die man sich merken darf.

Außerdem nimmt 2020 Deutschlands älteste Soap Abschied, die Lindenstraße. Schade, eigentlich, der WDR scheint aktuell eine Serie gut gebrauchen zu können, in der jemand beim Bäcker dem besorgten Bürger aus der Nachbarschaft erklärt, dass die Enkelin von Frau Beimer über ihre Oma singen darf, was sie will. Ende März läuft die letzte Folge der Lindenstraße, abgedreht ist sie schon. Hans Hoff hat für die Süddeutsche das Set besucht.

 

Schaubar

Nein, diesmal gibt es an dieser Stelle keine Tipps. Obwohl wir uns auf die zweite Staffel You, die zweite Staffel Bad Banks, die sechste BoJack Horseman und die fünfte Better Call Saul freuen und außerdem gespannt sind, was Amazon aus Star Trek: Picard macht und HBO mit The New Pope. Es gibt schließlich noch genug Serienjahrzehnt aufzuholen.

 

Nach 24 Ausgaben nehmen wir uns auch mal einen Monat frei. Der nächste Serienbrief erscheint im März. Unterstützen Sie uns bei Steady und empfehlen Sie uns bis dahin gerne weiter:

 

            

 

Herzliche Grüße

Benedikt Frank und Julia Weigl

Serienbrief
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