Der Serienbrief
Ein Slow-Newsletter über Serien.

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Liebe Serienbrief-Freunde,

natürlich nur, um die Spannung zu steigern, haben wir im September den Serienbrief um eine Woche verschoben. Dafür haben wir nun erste Appetithäppchen, was der Fernsehherbst so bringen wird. Um einen groben Überblick zu bekommen, gibt es gleich zwei Listen, die Ihnen die Entscheidung erleichtern werden, was sich zu sehen lohnt.

Und da der Sommer ja nun endgültig vorbei ist und manch einer vielleicht in Erinnerungen vom eigenen Urlaub schwelgt, gibt es hier einen witzigen Text darüber, wie erheiternd es sein kann, eine Reisesendung darüber zu sehen, wie ungern Richard Ayoade (Moss aus The IT Crowd) eigentlich verreist.

Spaß muss sein

Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche in der Comedy, beobachtet Rachel Aroesti im Guardian:

If 1990s sitcoms were characterised by sexually liberated pals cracking wise, and the 00s by docu-realist, workplace-based cringe comedy, this decade has been dominated by the sadcom, a strain of comedy-drama shuddering under the weight of personal hardship and the idea that actual jokes are largely unnecessary. But as the 2010s come to a close, a new wave is establishing itself: one that retains the sadcom’s essential bleakness, but overlays it with surreal settings, chaotically strange plotlines and jokes that ring with an erratic absurdity.

Die Suche, woher das kommt, führt sie zu Adult Swim, einem Nischensender, der mit absurden Videos für die Netzwelt vorausnahm, was nun immer mehr in den Mainstream sickert. Und warum gerade jetzt? Als Erklärangebote liefert der sehr lesenswerte Text die wirre politische Lage, den Verlust von ökonomischer Sicherheit und allem, was ein paar Generationen zuvor noch heilig war, die rasante Kontextlosigkeit des Internets, die uns ohnehin alle ein bisschen verrückt macht, und den Versuch bei all dem überhaupt noch gehört zu werden.

 

Nicht lustig

Anderswo funktioniert Comedy oft noch auf einem ganz anderen Level, berichtet Declan Walsh in der New York Times. Blackfacing im Fernsehen soll im arabischen Raum so selbstverständlich sein, wie es im Westen heute selbstverständlich als rassistisch verurteilt wird. Ziel seien meist Sudanesen. Auch der arabische Rassismus hat Wurzeln in der Sklaverei, die teilweise erst in den 1970ern formal abgeschafft wurde, erfährt man im Text. Der Prozess, dass Leute diese Darstellung hinterfragen oder sich darüber empören, beginnt gerade erst.

 

 

Es wird ernst

An Dystopien ist oft mehr dran, als man gerne hätte. So wird auch die neue Staffel von The Handmaid’s Tale politischer und die Anspielungen an unsere Zeit konkreter, das erzählen einige der Darsteller*innen der Zeit. Was das über unsere Gesellschaft aussagt, können Sie auch dort lesen und auf MagentaTV gibt’s die neue Staffel nun auch in Deutschland zu sehen.

 

Raus damit

Netflix ist heute schneller als früher dabei, Serien zu streichen, ist Julia Alexander bei The Verge aufgefallen. Zuletzt wurde etwa die Animationsserie Tuca & Bertie der BoJack Horseman-Produzentin Lisa Hanawalt nach nur einer Staffel abgesägt. Grund dafür dürfte die Konkurrenz sein, mit Disney, HBO/Warner und nun auch Apple wollen große Konzerne am Streamingmarkt mitmischen. Netflix dürfte darum zukünftig mehr darauf schauen, was die Masse sehen will.

 

Für die New York Times hat Margaret Lyons Leserbriefe zur Trauer um abgesetzte Serien beantwortet. Die häufen sich offenbar. Wiederbringen kann auch die Autorin die Serien nicht, aber sie hat Worte des Trosts: Wer einmal geliebt hat, wird wieder lieben. Tatsächlich ist es für uns als professionelle Serienschauer manchmal geradezu eine Erlösung, wenn eine Serie ein richtiges Ende findet, statt zu lange schlecht am Leben erhalten zu werden.

 

Kurz gemeldet

Für die Taz hat Wilfried Urbe aufgerechnet, was der ganze Streaming- und Fernsehspaß uns jeden Monat kostet: Zwischen 70 und 110 Euro. Na dann muss für ein freiwilliges Serienbrief-Abo auch noch Geld da sein.

 

Sowohl die Anzahl der Frauen in Sprechrollen als auch der Frauen hinter der Kamera kam in der TV-Saison 2018/19 in den USA auf ein neues Hoch. 45 Prozent der sprechenden Figuren und 31 Prozent der Menschen, die sie auf den Bildschirm bringen, seien weiblich, heißt es im 22. Boxed In Report des Center for the Study of Women in Television and Film der San Diego State University. Variety hat den ganzen Bericht.

 

Schaubar

Die Miniserie The Loudest Voice erzählt die Geschichte von Roger Ailes, dem berüchtigten Gründer von Fox News, gespielt von einem hinter der Maske kaum noch erkennbaren Russell Crowe. Im Grunde ist es eine Art journalistische Gangsterserie über die absolute Verkommenheit eines erzkonservativen, machtbesessenen, frauenverachtenden Propagandisten.

Eine Serie vom diesjährigen Filmfest München ist jetzt zu sehen. In The Hot Zone bricht in den 1980ern das Ebola-Virus in New York aus. Es zeigt sich, wie unvorbereitet man darauf ist. Das basiert zwar auf wahren Gegebenheiten, ist aber im Stil eines Outbreak-Movies zugespitzt. Kleiner Spoiler für alle mit Infektionsangst: Nein, New York wurde in den 80ern natürlich nicht durch ein tödliches Virus ausgelöscht.

Der unauffällige ARD-Recycling-Sender One bringt ab dem 27. September mit Seriös - Das Serienquartett ein neues Talkformat, das literarische Quartett für Serien quasi. Reinschauen kann man mal, weil der großartige Kurt Krömer in der Runde sitzt.

Der nächste Serienbrief erscheint am 5. Oktober. Unterstützen Sie uns bei Steady und empfehlen Sie uns bis dahin gerne weiter:

 

            

 

Herzliche Grüße

Benedikt Frank und Julia Weigl

Serienbrief
Benedikt Frank; Großvenedigerstr. 35A; 81671 München
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